Tanjas Safari
Tanjas Safari

Mein erstes Buch...

Spie(ge)l des Lebens

 

 

Stille…absolute Stille. So hat sie es sich nicht vorgestellt. Sie, das ist die 9jährige Magab. Nun hat sie sich in ihrer Not endlich an Gott gewandt. Und ?? Und nun ?? Nix ist…außer Stille.

Sie sitzt an ihrem Lieblingsplatz. Im Wald, an der Lichtung. Dort wo das Gras besonders grün ist und der Klee in Hülle und Fülle wächst. Dort wo sie sonst mit ihren Freunden spielt.

Der kleine Fluss, der seinen Weg durch das Unterholz schlängelt, klitzert mit seinen abertausenden von reflektierten Sonnenstrahlpunkten unterm Nachmittagshimmel.

Eigentlich freut sie sich über diese Jahreszeit, es ist Sommer.

Hmhmm…eigentlich…blöd. Eigentlich, dieses Wort, da sagte ihre Amma schon immer: „Eigentlich. Das gibt es nicht. Es ist, wie es ist. Entweder oder.“

Also gut bruttelt Magab vor sich hin: „Heute mag ich keinen Sommer. Basta.“

Was war nur geschehen? Magab scheint sehr wütend zu sein.

Sie rappelt sich auf und begibt sich weiter auf den Weg zu der Brücke. Die Brücke ist schon sehr alt. Einst wurde sie von ein paar Männern des Dorfes aus dem Holz der umliegenden Bäume gebaut, ihr Großvater war auch dabei. Sie hatte beide sehr lieb, ihren Großvater Michael und ihre Großmutter Erna, die sie liebevoll immer Amma rief, seit sie denken konnte. Nun sind beide schon ein paar Jahre tot, gerade Amma vermisst Magab am meisten, da sie zu ihr einen besonderen Draht zu haben schien.

Amma sagte einmal: Wir sind aus dem selbigen Holz geschnitzt, damals musste sie grinsen, denn der Baum musste schon sehr groß gewesen sein.

Magab spürt, wie sie durch die Gedanken an ihre liebe Amma innerlich ein wenig ruhiger wird. Sie schaut sich noch mal um, ja hier spielte sie gerne mit ihren Freunden, nur heute, heute war Magab alleine.

An der Brücke angekommen, atmet sie noch einmal tief eeeeiiiiinnnnnnnnn und aaaaaaauuuuuuuuuuuuussssssss. Sie geht bis zur Mitte der Brücke und setzt sich so, dass ihre Füße baumeln konnten ohne das Wasser zu berühren. Sie lehnt ihren Kopf an den Pfosten an und starrt auf den Fluss und seine Biegungen, ja, so verbogen kommt sie sich auch vor.

Ein paar Meter weiter vorne Richtung Schilf sieht sie ein paar Entenkinder im Beisein ihrer Eltern streiten.

„Hört ihr wohl auf. So etwas tun wohlerzogene Enten nicht. Und überhaupt, du, ja dich meine ich, du scheinst die ältere zu sein, also auch die vernünftigere. Du musst es ja am allerbesten wissen.“ Sie verstummt augenblicklich und dennoch, die Tränen ließen sich nicht aufhalten. Blöd, denkt Magab, diese Situation hier, die kennt sie zu genüge, in ihrer eigenen Familie.

Magab hat eine Schwester, sie heißt Susej und ist erst 5 Jahre alt. Magab steigt schon wieder die Zornesröte ins Gesicht: Was heißt hier erst ??

Susej ist mit allen Mitteln gewaschen, sie spielt das Spiel der Eltern.

Ja, so nennt Magab die Vorkommnisse in ihrer eigenen Familie.

Die Spielregeln sind ganz einfach, man muss nur die Schuld immer wieder auf den anderen schieben. Seit Magab denken kann, spielt ihre Familie dieses Spiel. Klar, dass sie mitspielen muss, sie will ja kein Spielverderber sein. Nun huscht doch ein etwas gequältes Lächeln über ihr Gesicht, wenn sie nur wüsste, wie sie das verändern kann.

 

Magab liebt ihre Eltern sehr. Die Mutter streichelt sie, wenn sie sich mal wieder ein Knie aufgekratzt hat und Trost bei ihr sucht. Ja und das Kuscheln mit Mama war schon etwas Besonderes. Auch Papa, der wusste einfach soooooooooo viel, egal was sie ihn fragte, er wusste zu allem eine Antwort und wenn er unsicher war, dann schauten sie in der entsprechenden Lektüre nach.

Ja, er hatte ein breites Wissen und eine Eselsgeduld. Magab gluckst vor sich hin, gerade als sie sich ihren Vater mit großen Eselohren vorstellt.

Und heute, ja heute war mal wieder alles anders. Die Ursache schon längst nicht mehr nachvollziehbar. Magab kann sich nur daran erinnern, dass es schlussendlich wieder um die vermaledeite Schuld ging.

 

Magab überlegt, was Schuld bedeutet?

Da verschwimmt, von ihr unbemerkt das Bild vor ihren Augen, so tief ist sie in ihren Gedanken. Ihre Augen schauen immer noch auf das Funkeln des Wassers. Sogar die Wärme der Sonnenstrahlen wird reflektiert, sie kann es an ihren Wangen spüren.

Da tauchen die Umrisse ihrer Amma auf. Sie erschreckt, ist doch Amma, nun schon ein Jahr tot. Der Schreck reisst das Bild entzwei, aber als Magab an ihre liebevolle Art denkt, verdichtet sich das Bild erneut und sie kann sie ganz klar und deutlich sehen. Sie sagt: „Hab keine Angst, mein Madel, es ist kein Traum und doch wie einer. Es ist was es ist und wer ich bin, weißt du.“

Magab ist so perplex, dass sie nur mit dem Kopf nicken kann.

Amma spricht weiter: „Du willst wissen was Schuld ist?“

„Ja, liebe Amma.“ Magab weiss, dass sie nun endlich eine Erklärung erhält, die sie so sehr sucht. Amma hatte immer auf alles und jedes eine Antwort, vermutlich hat sie es Papi vererbt.

Amma fährt fort: „ Schuld ist das Fühlen der Uneinheit und somit das Fehlen der Liebe, welches eine Illusion ist. Diese Illusion halten wir aus Angst aufrecht. Jeder Mensch ist eins und dieses eins sein, bedeutet Einheit. Eins mit sich und den anderen. Wenn ich die Liebe in mir wahrnehme, kann ich auch die Liebe zu anderen leben. Wenn ich die Verletzungen in mir heile, kann ich damit den anderen auch den Weg zeigen.

Die Liebe in uns leben wir durch die Liebe zu Gott. Wenn wir die Einheit zu Gott getrennt haben, fühlen wir eine Schuld. Diese Schuld steckt in uns.

Da wir uns aber nur anschauen können, wenn wir in den Spiegel schauen, projizieren wir die Schuld auf andere. In den Menschen, die uns gegenüberstehen, sehen wir unsere ureigenen Themen. Verstehst du??“

Magab druckst ein wenig herum: „ Was bedeutet heilen?“

„Das Heilen, das du kennst, kannst du hier anwenden. Du hast als Beispiel eine Schürfwunde am Knie. Solange die Wunde noch nicht geheilt ist, ist es schwierig für dich, dich so zu bewegen, wie du möchtest. Ich glaube nicht, dass du dich darauf abstützen kannst, solange die Wunde noch nicht heil ist. Nach dem Heilungsprozess ist es wie neu, du kannst wieder herumtoben. Was noch interessant ist, du wirst jedes Mal daran erinnert, wie es geschehen ist, wenn du auf die Narbe schaust. Das ist auch gut so, denn so lernt man daraus und du kannst zu deiner rasanten Freundin sagen: Ich bin in der Kurve mal zu schnell gewesen mit meinem Fahrrad, dadurch habe ich mir diese Verletzung geholt und konnte ein paar Tage nicht das unternehmen, was ich wollte.

Sie entscheidet dann frei, ob sie ihre eigenen Erfahrungen braucht oder auch was annehmen kann.“

 Magab´s Gesicht wurde immer leuchtender. Ja sie begann zu verstehen. Noch nicht alles, aber erst mal das wichtigste. Dann aber zogen sich ihre Augenbrauen noch mal zusammen: „Und wie wende ich das nun bei uns zuhause an? Ich bin doch nur ein Kind!“

Amma antwortet: „Gerade bist du wieder ein Stück gewachsen, denn du fragst nach dem Weg und mein liebes Kind, fühle auch dieses Wachstum in dir, dann siehst du deinen wahren Kern, auch wenn deine Hülle in einem Kinderkörper steckt.

Ja du kannst was tun. Sei dir bewusst, dass du den Menschen ein Spiegel bist. Nehme das wahr.“

Jetzt wird Magab neugierig, ein Spiegel soll sie sein, was Amma damit wohl meint?

Amma errät ihre Gedanken:

„Wisse, dass du den Mitmenschen ein Spiegel bist und fühle du für sie die Einheit, ihre Einheit, so kannst du ihnen und somit auch dir selbst ein Leuchtturm sein. Bringe es mit der Geschichte des Heilwerdens von vorhin in Verbindung“

Ein Leuchtturm also auch noch, zuerst ein Spiegel und nun noch ein Leuchtturm, sie sah sich gerade mit einem drehenden Lichtkegel auf ihrem Kopf.

Magabs Phantasie war schon immer ausgeprägt, das hatte ihre Erzieherin schon bemerkt, allerdings die Lehrerin auch, nur nicht in so einem schönen Zusammenhang.

 „Eigentlich ist es das, was du schon immer gemacht, nur nie angesprochen hast. Beobachte dein Umfeld genau, aber in Ruhe und du wirst wissen, wann es angebracht ist, etwas zu sagen. Bewahre dir dies weiterhin, auch wenn es dir nicht leicht gemacht wird.“

„Wieso eigentlich?“ Magab zwinkert ihrer Amma zu. Die wiederum lacht schallend und meint ja, es ist gut, Magab entgeht nichts.

Magab hat plötzlich großen Bammel, ganz schweren Bammel, wenn sie daran denkt, die Dinge an- und aussprechen zu müssen.

Amma hat einen Tipp für sie:„ Wenn du aus Wut etwas kaputt machst und du zu hören bekommst, dass es deine Schuld ist. Dann sage zu meinem Sohn- dabei blinzelte sie- Papa, ist das so, wie damals, als die Schaufel kaputtging, als du sie wegen Fr. Kohlgut auf den Boden warfst?

Sage es in deiner Liebe, die dir innewohnt, dann kann nur Gutes geschehen.“

Dabei verschwimmt Ammas Bild wieder bis es sich ganz auflöst.

Magab denkt toll, tschüss hätte sie ja noch sagen können.

Magab wird ruhig und sinniert noch eine zeitlang vor sich hin. Und dann fällt ihr was auf.

Sie haderte. Sie haderte mit Gott und der Einheit und was passierte? Amma erschien, also wird man gehört, man muss nur die Zeichen sehen, die sehr unterschiedlich ausfallen können, wie Amma ihr schon erklärte. Die Stille war durchbrochen.

Heißt das nun, dass sie immer wenn sie traurig ist, danach fragen kann ??

Auf alle Fälle wird sie das wieder versuchen, um Hilfe und Unterstützung zu bitten.

Magab steht auf, streicht sich die kleinen Steinchen von ihrem Rock und macht sich voller positiver Energie auf den Heimweg. Irgendwie tut der Wald ihr gut.

 

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Zuhause angekommen, ist alles wie immer. Papa liest die Zeitung, Mama bereitet das Abendessen vor und Susej spielt mit ihrer Puppe natürlich auch Abendessen machen. Magab geht in ihr Zimmer. Nachdem sie über ihre eigenen Klamotten hinweg gestiegen, dann rechts an dem Puppenhaus vorbei und links dem großen Angelspiel ausgewichen war, landet sie endlich auf ihrem Bett.

Sie denkt noch mal an ihre Begegnung mit Amma. Das fand sie echt toll. Ob sie ihren Eltern davon berichten soll? Sie entscheidet sich es vorerst nicht zu tun, weiß aber, dass der Zeitpunkt dafür schon vorgesehen ist.

Amma erzählte von diesem Spiegel. Magab überlegt sich, was ihr zu dem Spiegel einfällt. Nun ja, da gab es den Spiegel der bösen Königin in dem Märchen Schneewittchen. Der Spiegel war allwissend und allsehend. Aber was die Königin damit tat, war nicht zum Besten aller. Im Gegenteil, sie hatte durch den Spiegel eine größere Macht, die sie negativ einsetzte. Sie wollte Schneewittchen schaden um selbst die Schönste sein zu können.

Magab überlegt, wofür sie den Spiegel wohl verwendet, wenn sie so einen besitzen würde ?

Die Mama ruft zum Abendessen und reißt sie somit aus ihren Gedanken. Jetzt erst merkt Magab wie hungrig sie doch ist. Als alle bei Tische saßen, wurde das Tischgebet gesprochen und dann endlich gegessen. Papa erzählte von der Arbeit, dass er sich über einen Kollegen ärgerte, der seine Arbeit nicht tat. Stattdessen, damit alles reibungslos lief, musste er die Arbeit übernehmen und keiner der Meister hatte es bemerkt. Er fand er war viel zu gutmütig.

Mama hört wie immer aufmerksam zu. Nun wollte Magab auch was erzählen: „Du Mami, heute war etwas lustiges am Fluss…“ weiter kommt sie jedoch nicht. Ihr Vater fällt ihr ins Wort: „ Aber Magab, du weißt doch, dass du das Gespräch von Erwachsenen nicht unterbrechen darfst. Iss ordentlich fertig.“

Toll !! Das war´s mal wieder !! Magab hat plötzlich keinen Hunger mehr, denn ihr Magen fühlt sich an, als wenn ein Stein drin wäre.

Als das Essen fertig ist, fasst Magab sich ein Herz und fragt ihren Vater: „Papa, warum dürfen Kinder das Gespräch der Erwachsenen nicht unterbrechen ?“

Ihr Vater stutzt einen Moment. Lag es nun daran, dass er sich im Geschäft schon ärgerte, auf alle Fälle antwortet er nur: „Weil es halt so ist. Basta.“

Boah, der imaginäre Stein schlägt Kapriolen in Magabs Magen. Was war das denn für eine Antwort? Sie versteht gar nichts mehr.

In ihren Gedanken bittet sie Amma um Hilfe. Dann glaubt sie eine Stimme in ihrem Innern zu hören, die sagt: setz dich ruhig auf die Coach.

Magab gluckst in sich hinein, das war aber nun komisch. Hörte sie das wirklich? Wo kam es her? NA egal, ich kann es ja mal tun.

Ihr Vater bleibt am Tisch sitzen und liest in der Zeitung weiter und ihre Mutter räumt ab und auf, wie immer. Warum also soll sie das beobachten? Sie lässt das Tischgespräch Revue passieren und schaut noch mal die Szenerie an…dann dämmert es ihr. Wenn sie jetzt aber was sagt, was passiert dann wohl?? Ihr Magen zieht sich zusammen und das war blöd. Dann fallen ihr die Worte von Amma wieder ein: Sage es in deiner Liebe !! Okay, also gut: Magab atmet tief durch, wird innerlich ganz ruhig und sagt: „Du Paps, wie ist das, als du die Arbeit deines Kollegen machen musstest, ist das so wie Mama gerade den Müll hinunterträgt, das du machen wolltest ??“

Nun war es heraus, sie hält von den anderen unbemerkt die Luft an. Ihr Vater stutzt, schaut von ihr zu seiner Frau, dann wieder zu ihr. Dann hört sie schon ihre Mutter losprusten und nur einen Augenblick danach musste auch ihr Vater lachen.

Na das war was. Sogar Susej kommt lachend aus ihrem Zimmer und gesellt sich zu der fröhlichen Runde.

Magab denkt noch, ob sie wohl jetzt noch mal fragen könne, warum Kinder die Eltern nicht unterbrechen dürfen, aber dann belässt sie es dabei. Für heute war es genug, denkt sie ! Und manche Dinge müssen gar nicht mehr beantwortet werden oder beantworten sich von selbst.

 

 

Am nächsten morgen wacht sie schon sehr früh auf. Sie bleibt genüsslich liegen, räkelt sich im Bett und denkt noch ein wenig über den gestrigen Tag nach.

Am schönsten fand sie, war die Tatsache, dass sie mit Amma reden konnte. Gleichzeitig fragt sie sich jetzt natürlich: lässt sich das wiederholen?? Kann ich immer wieder mit Amma reden und zwar dann wenn ich möchte ??

Sie lässt ihre Beine aus dem Bett baumeln und schmunzelt, da es sich so anfühlt wie gestern am Fluss.

Eigentlich ist es zu früh zum Aufstehen und uneigentlich auch…sie lacht und steckt schnell ihre Füße wieder unter die warme Bettdecke. Sie läßt sich in ihr Kissen zurückfallen und fühlt sich wie damals, als sie bei Amma immer übernachtete.

Amma hatte immer 2 dicke Kissen für sie, da war man so wonnig umgeben von flauschiger Bettwäsche …hmmhm…das gab einem ein richtig behagliches, wohlbehütetes Gefühl. Amma ´s Gebet, ja Magab kennt es immer noch:

In Gottes Namen begangen,

16 Engel mit mir gegangen

2 am Kopfe

2 am Fuße

2 zur linken Seite

2 zur rechten Seite

2 tun mich decken

2 tun mich wecken

2 im Himmelreich

2 im Pfarrerreich

Weich aus, weich aus du böser Geist, du hast kein Teil an meinem Fleisch, du hast kein Teil an meinem Blut, dass mir der böse Geist nichts tut, Amen.

 

Sie schließt intuitiv die Augen, den Amma zeichnete abschließend mit ihrem Daumen immer das Kreuz auf ihrer Stirn, ihrem Kinn und ihrer Brust.

Magab wird es ganz warm, sie öffnet die Augen und glaubt wieder zu träumen. Amma sitzt an ihrem Bett und zieht gerade die Hand zurück.

„Amma, du ? Warum bist du wieder da?“ flüstert Magab, denn sie hatte angst, dass sie weg ist, wenn sie lauter spricht. Amma erwidert: „ Ich begleite dich ein Teil deines Weges. Du bist nie alleine. Du wirst immer von uns begleitet“. Magab war hellwach. Was heißt hier von uns ?? Amma scheint wieder ihre Gedanken erraten zu haben, denn sie antwortet: „ Uns, also wir, das sind die Begleiter aus der Anderswelt, allgemein bekannt unter Engel, Geistwesen, Geistführer usw. Du musst nicht wirklich mehr über diese meine jetzige Welt wissen, nur dass sie existent ist und dass jederzeit einer von uns einem von euch Erdwesen helfend zur Seite stehen kann. Das sind alles sehr lichtvolle Gestalten.“

Magab grübelt über das von ihr gehörte nach. Wissen das alle Menschen ?? Und wie können sie helfen?  „Ja, Magab. Wenn ein Mensch in Not gerät, kann er die himmlischen Lichtwesen um Unterstützung bitten. Die Hilfe ist individuell, die Zeichen müssen nur wahrgenommen werden. Mag es ein plötzlicher Gedankenimpuls sein, etwas, an das man vorher nicht im Traum dachte, dann ist es von den „Helfern“…selbst Träume können versteckte Hinweise sein, deshalb schreibe sie dir immer auf. Zu einem vorgesehenen Zeitpunkt wirst du es entziffern können. Rom ist ja auch nicht an einem Tag erbaut worden…Stein auf Stein. Nur Entscheidungen, die können sie nicht abnehmen, sie beleuchten die Wege und begleiten. Und zu deiner erste Frage muss ich sagen ja, theoretisch wissen es alle, aber praktisch wendet es kaum einer an. Die Menschen haben vergessen, dass es uns gibt und somit wissen sie auch nicht, dass die Leitung vorhanden ist. Sie müssen nur „anrufen“, sich verbinden lassen.“

 

„Aber Amma, wie ruft man denn an?“ Magab dreht sich vor Aufregung wieder in ihrem braunen Lockenhaare, Amma schmunzelt, denn das tat sie schon früher.

„Beten ist eine der Varianten….oder auch einfach nur die Bitte formulieren. Die Menschen sind wieder auf dem Weg dahin. Ihr Gedächtnis wird erweitert, jeden Tag ein bisschen mehr. Manche Menschen sträuben sich dagegen, das gibt dann oft Kopfweh.“

Magab schweigt. Hat ihre Mama´ deshalb in letzter Zeit so oft Kopfweh, das hatte sie früher nämlich nicht.

Magab nimmt wahr, dass sie doch noch müde ist, aber sie will Amma nicht einfach so „sitzen“ lassen. Amma spürt das und verabschiedet sich erstmal.

„So meine liebe MAgab, schlaf noch ein wenig. Wenn du soweit bist, dann lass es mich wissen. Dann reisen wir gemeinsam zum Spiegel….

Magab liegt noch die Frage auf der Zunge, wie sie denn merken wird, wann sie soweit ist, aber da überfällt sie auch schon die Müdigkeit…

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Magab macht die Augen auf und staunt: Wo war sie denn nun ??

Sie blickt sich in Ruhe um. Sie befindet sich auf einem Berg, rings um sie herum eine gigantische Aussicht. Sie holt tief Luft, hier riecht es nach …nach…Freiheit. Ja so würde es wohl sein, wenn die Freiheit einen Duft hätte. Am strahlendblauen Himmel scheint die Sonne in solcher Intensität, als wenn Magab ihr ein Stück näher gekommen ist. Sie sieht zum Gipfel empor, dort oben ist aber kein gewöhnliches Gipfelkreuz, denn dieses hat oben einen Kreis. Sie erinnert sich auch es bei Amma schon mal gesehen zu haben, als Anhänger.

Sie schaut auf den Weg, der den Gipfel wohl umrundet. Sie macht sich auf den Weg. Ab und zu sieht und hört sie einen Adler, der hier wohl sein Revier in der Nähe hat. Sie stutzt, da vorne der Stein, den kennt sie doch, da ging sie doch los. Und überhaupt die Sonne steht auch wieder am gleichen Fleck. War sie im Kreise gegangen? Es sah so aus.

Sie setzt sich auf den Stein und denkt an Amma. Wäre sie doch nur hier.

Jemand berührt sie an ihrer linken Schulter, sie zuckt zusammen und sieht Amma. Sie umarmen sich innig. Als sie sich losließen, sagt Amma:

„Es ist wie ein Traum und doch keiner. Du bist bereit für die Reise zum Spiegel?“ Ja klar will Magab den Spiegel sehen und schauen was es damit auf sich hat. Sie nickt und sie gehen zusammen den Weg entlang.

Magab wollte schon sagen, dass er nirgends hinführt, da erkennt sie plötzlich einen Drachen von seiner besten Seite - von hinten. Magab kichert, da dreht der Drache seinen Kopf und Magab erschrickt. Hat der große Augen. Sie zieht und zupft an Ammas Hand. Sie bleiben stehen und Amma sagt zu ihr:

„Es ist dein Traum, nur du kannst ihn verändern.“

Magab denkt darüber nach, auch dass es nur die Augen sind. Sie fühlt sich förmlich davon verschlungen. Sie schliesst ihre Augen und bittet um Wandlung in dem Sinne, dass er noch sehen kann, sie aber furchtlos ist. Als sie ihre Augen öffnet, muss sie lachen, hat er doch eine lustige Flugbrille bekommen, die die Augen kleiner erscheinen läßt.

Nun nimmt sie auch die Zügel wahr und die zwei Sitzplätze. Amma hinten und Magab vorne, so kann es losgehen.

Der Drache hebt seine Schwingen an, macht ein paar Schritte und erhebt sich dann endlich in die Lüfte. Magab klammert sich an den Drachen, sie spürt, wie die Angst ihr auch den Hals zuschnürt. 

Amma sagt zu ihr: „ Es ist in Ordnung, dass du Angst hast. Es ist das erste Mal, dass du so was machst. Fühle die Angst, verharre aber nicht in ihr und schaue was dir Vertrauen geben kann.“

MAgab denkt, mhmh… herunterfallen kann ich nicht und der Drache fliegt gut, selbst vorher flog er souverän an der Felswand vorbei… je mehr Vertrauen sie zu dem Drachen und seinen Flug- und Führungskünsten aufgebaut hat, desto ruhiger wurde sie.

Die frische Prise, die vom Meer zu kommen schien, genießt sie ebenso, wie die Aussicht auf die Berggipfel. An der Nordseite der Berge liegt Schnee und Eis, auch ein paar Ziegen kann sie sehen, die vergnügt herumtollen.

Nun ist das Meer auch zu sehen, herrlich, soweit das Auge reicht. Der Horizont vermischt nahtlos das Blau des Meeres mit dem Blau des Himmels.

Wo fliegt er nur mit ihnen hin? Magab besinnt sich, es ging immer noch um den Spiegel !!!

In der Ferne sieht sie eine kleine Insel mit einer gigantischen Vegetation, ähnlich einem Urwald. Magab wird ganz aufgeregt. Der Drache nimmt Kurs auf eine kleine Anhöhe, in dessen Nähe ein Wasserfall tobte.

Nach der Landung bedankt sich Amma bei dem Drachen und bittet ihn zu warten.

Magab nimmt wieder ihre Hand und wartet.

Amma sagt zu ihr:

„Nun ist es dein Weg, meine liebe Magab. Den Weg gehst du für dich, sei dir gewiss, dass ich dich begleite. Lass dich von deinem inneren Licht führen.“

Au Backe, denkt Magab, dann besann sie sich auf sich und was sie bisher schon erreichte, wenn sie es wollte und darauf vertraute.

Sie geht erst zaghaft, aber mit jedem Schritt wächst ihr Selbstbewusstsein und ihre Zielstrebigkeit. Durch den Wald begleitet sie ein Vogel, er scheint den Weg zu kennen. Das Glitzern in der Ferne kommt mit jedem Schritt näher, schemenhaft lässt sich ein Haus ausmachen. Das ist ja ein prachtvolles Haus, es scheint aus purem Gold zu sein. Oder scheint die Sonne so gülden darauf? Nein, sie befindet sich ja immer noch im Wald.

Sie läuft an die Tür und betätigt den Türklopfer, der einem Drachenkopf glich mit einem Ring durch das Maul.

Da geht auch schon die Tür auf, als wenn sie offen gestanden wäre. Sie betritt die Halle. Es ist schummrig, kühl und kahl, sie dachte noch kurz an die Waschküche bei  sich zuhause.

Sie bittet um mehr Licht, welches ihr langsam, damit ihre Augen sich daran gewöhnen können, gewährt wird.

Nun ist sie doch erstaunt, der ganze Raum ist voller Spiegel und Menschen. Wo kommen die denn plötzlich alle her??

Im Gesicht der einen Frau wird wohl die Spiegelseite reflektiert, man sieht die verschiedenen Lichteffekte, wie wenn jemand fernsah. Magab wollte auch sehen, was sie sieht. Sie nähert sich so, damit sie auch in den Spiegel sehen kann.

Nanu?? Was ist denn das?? Da ist alles dunkel. Sie sieht noch mal in das Gesicht der Frau und da ist immer noch das Farbenspiel, auch sieht sie die Tränen der Frau, die ihr über das Gesicht laufen.

Magab wird es schwer ums Herz, was soll das alles?

Sie läuft in der Halle umher und versucht immer wieder in die Spiegel der Menschen zu schauen, aber sie bleiben ihr weiterhin verborgen. Das einzige was MAgab wahrnehmen kann, ist, dass die Spiegel sich in ihren Grautönen unterscheiden.

Selbst die freien Spiegel bleiben bis auf einen dunkel. Magab ist schon fast an besagtem Spiegel vorbei, als sie das Licht sieht. Sie bleibt wie angewurzelt stehen und sieht den Film, in ihrem Spiegel !

Es ist ein Kurzfilm, der, ist er zu Ende, wieder von vorne beginnt.

Magab zählte gar nicht mit, die wievielte Wiederholung sie nun wohl schon sah.

Endlich scheint die Information des Filmes über ihren Verstand auch ihr Herz zu erreichen…

 

Magab war in dem Film ein Herrscher. Er schien unerbittlich zu sein, strahlte eine Härte aus, die auch seinem Herzen entsprang. Sein Volk wurde krank, es gab eine Arznei, deren Herstellung allerdings viel Geld kosten würde. Er lehnte es ab für die Herstellung zu sorgen, weil er dachte, das macht sich nie bezahlt. Totes Kapital sozusagen. Dann erkrankte seine heissgeliebte Tochter und weil ihr Immunsystem schwach war, starb sie daran. Der Herrscher nahm seine Schuld nicht an, er wollte sie nicht sehen, stattdessen machte er seinen Hofarzt dafür verantwortlich, er übertrug die Schuld auf ihn und ließ ihn auf Lebzeit einkerkern. Dieser Hofarzt war ihr jetziger Vater.

 

Magab ist traurig, aber sie versteht auch …allerdings nur ganz langsam…es scheint eine Seelenreise in ihre Vergangenheit zu sein.

Mit der darin enthaltenen Botschaft, die sie langsam annehmen kann, verändert sich der Spiegel zu einem Gesicht und erklärt Magab ihre stillen noch offene Fragen:

„ Liebe Magab,

das ganze Leben begleiten uns Menschen, die etwas in uns auslösen, das uns nicht gefällt. Wir projizieren es auf den auslösenden Menschen, anstatt es in uns zu suchen, da wo der Ursprung ist.

Die „Schuld-Schieberei“ die dich stört, ist etwas, dass du selbst vor sehr langer Zeit gemacht hast. Was dann folgt, nennt man Wirkung, die auf eine Ursache folgt, auch bekannt unter dem Begriff Karma.

Bsp: du lässt deine Schwester stolpern, woraufhin sie hinfällt. Sie wiederum zahlt es dir heim und lässt dich auch stolpern. Wenn du dann zu Mama rennst und sagst: Die hat Schuld !! …das ist menschlich und ihr seid Menschen, ihr müsst nicht perfekt sein, ihr dürft Fehler machen um dann aus den Fehlern wieder lernen zu können.

Nehme wahr, dass alles was du tust zu dir zurückkommt, das Schöne daran ist, das GUTE willst du doch sicher zurück, oder??“

Magab nickt feste mit ihrem Kopf…puh, klar, das will sie haben.

Magab wird nun einiges klar, gerade bei ihrem Vater ärgert sie die Schuldschieberei am meisten und nun sah sie den viel zitierten Dreck vor ihrer eigenen Haustür. Sie schämt sich. Da hört sie den Spiegel weiter reden:

„ Nein, gräme dich nicht. Viele Dinge sind weit in der Vergangenheit geschehen, wichtig ist nur, sie jetzt zu erkennen und aufzulösen“

Magab fragt sich, wie das wohl in ihrem Falle aussehen kann.

Der Spiegel antwortet:

 

„ Verzeihen, Vergeben, Danken, Loslassen,  Lieben.

Verzeihe allen, auch dir

Vergib allen, auch dir

Danke allen, auch dir

Lass alle(s) los, auch deins

Liebe alles in seinem Sein,  vor allem auch dich selbst.“

 

Und die Selbstliebe, das weiss sie noch von Amma, beinhaltet die Liebe zur Quelle. Darüber muss sie nun mal in Ruhe nachdenken.

Sie bedankt sich bei ihrem Spiegel und geht wieder nach draußen. Sie atmet die würzige Waldluft ein und sucht nach einem stillen Platz. Sie findet einen Holzpflock der die Ähnlichkeit eines Stuhls hat, Magab kann sich sogar anlehnen.

Die Sonne blinzelt immer wieder mal durch die Baumwipfel hindurch.

 

Der Spiegel…mhmm, was war da noch.

Der Spiegel zeigt uns, was wir zu lernen haben. Wer Fragen hat bezüglich seiner Schatten, Ängste Zweifel, Abhängigkeiten, Schuld, der kann mithilfe des Spiegels erkennen, welche Ursache zugrunde liegt.

 

Wie entstand denn einst dieser Spiegel?

Amma tritt wieder nach vorne und antwortet ihr:

 

„Diesen Spiegel gibt es schon immer. Er verstärkt positives Verhalten aber auch negatives. Wenn er zulange negativ bestrahlt wird, wird er dunkel, deshalb wurde er auch immer seltener benutzt. Seine Reflektionen waren schon immer als Zeichen der Zeit zu sehen: wer in sie hineinblickte, sah darin seine Gegenwart und Zukunft enthüllt, basierend auf das vergangene TUN. Unschöne Dinge liessen uns auch unschönes in der Zukunft sehen, somit nutzte der Mensch den Spiegel immer seltener. Heute ist es andersherum, heute müssen die Menschen wieder in die Vergangenheit schauen, damit sie Situationen im Hier und Jetzt verstehen und bearbeiten können. Und wenn man den Spiegel immer weiter bearbeitet, dann wird er wieder transparenter. Und wenn man durch ist, ist man bei sich angekommen im Wesenskern, in der Liebe, im Ich. In all seiner Größe.“

Magab versteht nun zumindest ein Teil davon. Alles braucht seine Zeit, also ist es erst mal genug, damit kann sie arbeiten.

Sie geht mit Amma zurück zu ihrem Drachen, der die Zwischenzeit für ein Nickerchen genutzt hat.

Er ist sofort hellwach, wartet bis seine Passagiere Platz genommen haben und erhebt sich wieder in die Lüfte…

 

Magab räkelt sich genüsslich, hach ist es hier schön kuschelig. Sie schlägt die Augen auf und blickt an ihre Kinderzimmerdecke. Sie ist zuhause.

Mensch war das ein Traum, alle Wetter !!

Sie springt aus ihrem Bett, zieht sich in Windeseile an und geht ins Esszimmer. Es ist Wochenende 9Uhr morgens, ihre Mutter ist mit dem Frühstück richten schon fast fertig. Magab geht weiter in die Küche und stösst fast mit ihrer Mutter zusammen.

„ Mama, soll ich für uns Brötchen holen?“

Ihre Mutter staunt, überlegt kurz und sagt, ja gerne. Magab nimmt die Tasche, den Zettel und das Geld und verschwindet auch schon aus der Haustür.

Magab fühlt sich so toll, sie hüpft zum Bäcker, der gleich um die Ecke seinen Laden hat. Zuhause wieder angekommen, hilft sie den Rest fürs Frühstück noch zu richten.

Susej ist mittlerweile auch aufgestanden und läuft noch im Pyjama rum.

Ihr Vater hat wohl die neue Autozeitschrift mit aufs Klo genommen. Ah, da kommt er ja endlich, nun können sie alle gemeinsam frühstücken.

Magab schielt unbemerkt von einem zum anderen und ist einfach nur dankbar, dass sie alle zusammen sein können.

Nach dem Frühstück stehen alle auf und helfen gemeinsam aufzuräumen.

Sogar ihr Vater. Magab nimmt gerade die Butter hoch die weiter vorne liegt, stösst dadurch ihren Vater an und die Butter purzelt auf die Tischdecke. Ihr Vater sagt: „ Mensch MAgab, kannst du nicht aufpassen?“ Magab überlegt kurz und erwidert: „ Entschuldige Paps.“ Daraufhin schaut er sie an und meinte: „ Öhm, ja…äh… war ja auch meine Schuld .“

Boah, Magab staunt, aber die Mutter und Vater auch. Susej scheint relativ unbeteiligt zu sein, dennoch grinst sie, als hätte sie alles verstanden.

 

Am Nachmittag geht Magab noch mal in den Wald an ihren Lieblingsplatz. Sie wollte von Amma noch was wissen. Amma wartet schon auf sie an der Brücke.

Magab fragt Amma, wann man denn soweit ist, seinen Weg zu gehen ?

Amma antwortet:

„Man ist dann soweit, wenn man sich die Frage stellt, ob man soweit ist, denn würde man sich sonst damit auseinandersetzen ??  Nichts geht verloren, alles was man tut bleibt erhalten, wird gespeichert und zum jeweilig richtigen Zeitpunkt abgerufen, erweitert, verändert, transformiert.

Und wenn die Menschen aufhören die anderen, die ihnen was spiegeln als Angreifer zu sehen, dann können sie davon lernen und wenn die Arbeit erledigt ist, auch durchsehen.

Einmal ist es ein Spiegel und am Ende, was ja auch wieder ein Anfang ist, das Spiel des Lebens.“

 

Magab wusste nun was ihre Aufgabe war, zumindest für die nächste Zeit …dann wird der nächste Hinweis schon kommen. Der Drache ist immer startklar…©

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